ü50, arbeitslos und überflüssig – rats!

arbeitslos

Meine Erfahrungen als Arbeitsloser mit dem « staatlichen Weiterbildungs- und Qualifizierungsprogramm kulturmarkt », sowie das repressive Verhalten der zuständigen Ämter haben mich zu ratsblog inspiriert.

Vor ungefähr einem Jahr wurde ich arbeitslos. Gegen die Kündigung erhob ich Einsprache und in der Schlichtungsinstanz des Zivilgerichts Basel-Stadt wurde meine Klage gemäss OR 336a (missbräuchliche Kündigung) bestätigt. Die Arbeitslosenkasse Basel zweifelte den Entscheid zunächst an. Als ich damals in der Kabine sass, konnte ich mithören, was gleichzeitig nebenan gesprochen wurde. Da hiess es: «Uns ist es egal, warum man Ihnen gekündigt hat…» Dieser Vorfall ist exemplarisch für die Vorgehensweise des verantwortlichen Amtes. Nach wie vor sind Arbeitslose in erster Linie schuldig und folglich der Willkür der zuständigen SachbearbeiterInnen ausgesetzt. Es wird zugewiesen, verordnet und bei Gelegenheit bestraft. Die strukturellen Probleme, mit denen vor allem ältere erwerbslose Menschen konfrontiert sind, existieren nicht in der Wahrnehmung der Ämter. (Mehr dazu.) In Folge der Summe der Personalentscheidungen sortiert die Wirtschaft ü50 systematisch aus und produziert unbekümmert soziale Kosten und Probleme. Die Antwort des Staats und seiner Protagonisten auf diese Zustände:

Entsprechend der Dynamik der wirtschaftlichen Entwicklung werden sich diese Massnahmen in Zukunft verschärfen. Die jetzt schon geringen Chancen von überflüssigen ü50 auf einen beruflichen Neuanfang werden auf den Nullpunkt sinken. Wo sollen wir hin? Von was sollen wir leben? Die Antwort hat Deutschland mit den HarzIV-Ghettos bereits gegeben. Es ist lediglich eine Frage der Zeit bis wir gezwungen werden jedem 1-Franken-Bullshit-Job hinterher zu rennen. Mündigkeit, Selbstbestimmung und Würde werden zum Luxusgut. Nach meinen Erfahrungen mit der Vorgehensweise des Arbeitsamts und «rats im Kulturmarkt» habe ich mich entschieden auf die destruktive Einmischung des Staats zu verzichten.

Schlussfolgerung:
«rats verlässt das sinkende Schiff.» (von: Theodor Imholz; Januar 2014)